Ökostrom im Kreuzfeuer der Lobbyisten

Am 15.August 2009 las ich in meinem Lokalblätchen einen Leserbrief, der mich betroffen gemacht hat: wie kann es sein, dass ein Lokalblätchen Leserbriefe unkommentiert veröffentlicht, wenn schon eine oberflächliche Recherche deutlich macht, das der Schreiber vermutlich ein Lobbyist ist:

Ich schrieb also an leserbriefe@zgm-muensterland.de:

Ökostrom im Kreuzfeuer der Lobbyisten.

Zu den Behauptungen von Prof. Dr.-Ing X, FH Aachen, im Leserbrief „Umstieg auf Ökostrom wäre nicht bezahlbar“, Westfälische Nachrichten, 15.August 2009, u.a. der Abschnitt „Jedenfalls sind Stromtarife für Ökostrom, die nur unerheblich teuer sind als der Strompreis aus dem deutschen Energiemix, reiner Etikettenschwindel und in keinem Fall unserer Umwelt nützlich. Sie sind nur dort erfolgreich, wo es gelingt, die Kunden sachlich unwissend zu halten.“ und den Behauptungen von Dr. Y, Münster im Leserbrief Ökostrom ist ein Preistreiber, Westfälische Nachrichten, 29.Juli 2009, u.a. der Abschnitt: „Wer Ökostrom bezieht, trägt also die Verantwortung für Strompreiserhöhungen beim Nachbarn. Wer möchte das schon?“:

Wenn ich dem Internet trauen darf, dann:

  • hat Herr Dr. Y, Münster, einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel mit dem Titel „Temperaturmessungen ab 1701 widerlegen anthropogen verursachte Temperaturschwankungen“ unterschrieben. Gleich zweimal: an Position 20 und Position 66. Und: „CO2 ist nicht Ursache für den Klimawandel“. Ich war der Auffassung, dass das Thema inzwischen geklärt ist, aber offenbar gibt es noch Menschen, denen in dem Zusammenhang offenbar nicht mehr zu helfen ist.
  • arbeitet(e) Herr Prof. Dr.-Ing. X, FH Aachen für die RWE Rhein-Ruhr AG. Herr Prof. Dr.-Ing. X sollte darauf in seinen Leserbriefen hinweisen, denn ansonsten müsste er sich den Vorwurf gefallen lassen, das er Kunden sachlich unwissend hält: Zur Information gehört auch immer die Quelle! Die Aufgabe von Herrn Prof. Dr.-Ing X, FH Aachen, besteht meinem Eindruck nach darin die Rubrik Leserbrief der bundesdeutschen Tageszeitungen zum Thema im Sinne seines Arbeitgebers, nämlich der RWE Rhein-Ruhr AG, zu bedienen.

Darum folgende Bitte an die Leser der Westfälischen Nachrichten: Leserbriefe zum Thema nie mehr ohne den Kontext der Autoren wahrnehmen! Leserbrief geben die Meinung der Verfasser (oder deren Auftraggeber) wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert!

Ein sofortiger und 100%-iger Umstieg auf regenerative Energie wird wohl nur von Personen die extreme Positionen besetzen gefordert. Die Einführung nachhaltiger Energieerzeugung bewusst zu verzögern ist grob fahrlässig und nicht zum Wohl der Allgemeinheit und zeugt ebenfalls von einer extremen Position und spiegelt kurzfristiges Denken wieder. Spätestens wenn (Atom-)Kraftwerke in heißen, trockenen Sommern wegen Kühlwassermangel kurzfristig abgestellt werden müssen, wird der letzte einsehen, dass teurer Strom besser ist als kein Strom. Spätestens, wenn in 50 bis 200 Jahren die Uran-Reserven aufgebraucht sind, wird der letzte einsehen, dass teurer Strom besser ist als kein Strom. Spätestens, wenn die Kosten für Uran/Kohle/Gas auch so eine Preisrally hinlegen wie kürzlich Öl,  wird der letzte einsehen, dass teurer Strom besser ist als kein Strom. Die Preisobergrenze ist zumindest jetzt schon bekannt, nämlich in der Höhe der aktuellen Einspeisevergütung von ca. 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde (plus Marge für Verwaltung,Vertrieb. Infrastruktur).

Ich beziehe weiter Ökostrom, übrigens zu günstigeren Konditionen als der lokale Anbieter im Standard-Tarif, und lasse mich gerne weiter informieren. Desinformation werde ich weiter bekämpfen, auch wenn ich eigentlich besseres zu tun hätte. Ist nämlich Bürgerpflicht!

Quellen:

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