Trügerische Sicherheit – der Sehtest

Ich habe regelmäßig bei arbeitsmedizinischen Sehtests teilgenommen. Immer war alles in Ordnung, auch beim letzten Mal irgendwann im letzten Jahr. Auf  meine Hinweis, dass ich das Gefühl habe, dass meine Augen nachlassen, habe ich nicht die Empfehlung bekommen mal beim Augenarzt vorbeizuschauen.

Heute habe ich da mal einen Termin gehabt….

Kopfschmerzen

Der Grund für meinen Besuch beim Arzt war, die Augen als Grund für teilweise ziemlich hartnäckige Kopfschmerzen auszuschließen. Aber wenn man schon mal da ist, dann kann man ja auch die freundlich angebotene Glaukom-Untersuchung (hier: 20€, denn: Sie ist nicht Teil des Leistungskataloges der Gesetzlichen Krankenversicherung – Quelle: Wikipedia) durchführen lassen.

Befund

Von Glaukom erstmal keine Spur. Die Kopfschmerzen kommen höchstwahrscheinlich nicht von den Augen. Wäre es so, dann wäre man in der Regel morgens noch schmerzfrei und die Schmerzen würden im Verlauf des Tages, insbesondere bei entsprechender Belastung, kommen und sich verstärken. Meine Sehstärke liegt bei 80%. Hört sich für mich wenig an, aber scheint normal: man könnte mich wahrscheinlich durch eine permanente Sehhilfe wieder auf 100% bringen, aber man kann es auch sein lassen. Was auch immer diese Prozentangaben bedeuten – im Zweifel ist es mal wieder nur eine Zahl. (Artikel zu Sehschärfe bei Wikipedia).

Fragen

Ich war der Ansicht, dass die arbeitsmedizinischen Sehtests so angelegt sind, dass man sich den Besuch beim Augenarzt sparen kann. Ich war der Ansicht, dass es sich hier um ein freiwilliges Angebot des besten Arbeitgebers in Deutschland handelt, zum Wohle der Mitarbeiter. Liege ich falsch?

Mein Arzt hält diese arbeitsmedizinischen Sehtests für ein zweifelhaftes, nicht standardisiertes, Verfahren bei dem höchstens grobe Fälle gefunden werden können/sollen. Ich soll einmal im Jahre vorbeikommen, das nächste Mal schon im April: wir haben jetzt einen Anfangsbefund und können beim nächsten Mal ein Änderung messen.

Kurze Recherche

Ein schnelle Suche bei Google lieferte mir einen Link zu einer Mitarbeiter-Information bei der Uni Wuppertal [1]. Ich fass mal zusammen, bzw. zitiere nur Auszüge:

  • […] Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten vor Aufnahme ihrer Tätigkeit an Bildschirmgeräten, anschließend in regelmäßigen Zeitabständen sowie bei Auftreten von Sehbeschwerden, die auf die Arbeit am Bildschirmgerät zurückgeführt werden können, eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens durch eine fachkundige Person anzubieten. […]
  • […] nach einhelliger Meinung von Fachleuten und aktuellen Studien hat die Arbeit am Bildschirm keine schädigende Wirkung auf die Augen und das Sehvermögen. […]
  • […] Die G 37-Untersuchung beinhaltet sowohl eine Erhebung der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung (allgemeine Anamnese) mit Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten am Arbeitsplatz (Arbeitsanamnese), als auch die Prüfung der Augen und des Sehvermögens mit folgenden Untersuchungsleistungen […]
  • […] die G 37-Untersuchung gehört in den Kreis der Vorsorgeuntersuchungen und dient dazu, eventuelle Sehschwächen frühzeitig zu entdecken, damit ein Augenarzt rechtzeitig eingeschaltet werden kann. […] Im Gegensatz zum Augenarzt verfügt der Betriebsarzt über spezielle Kenntnisse der individuellen Arbeitsplatz-Bedingungen und hat darüber hinaus jederzeit die Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu besichtigen.

Mein Fazit

Es ist Schade, dass mir bei besten Arbeitgeber in Deutschland nicht so ein FAQ bekannt ist (wahrscheinlich irgendwo im Intranet aber vorhanden). Bei etwas, dass vom Gesetz gefordert wird, von einem Angebot zu sprechen, halte ich nicht für eine ideale Kommunikation. Wenn unter Berücksichtigung der speziellen Gegebenheiten am Arbeitsplatz nur übrig bleibt, dass ein paar anonyme Menschen durch die Büros geistern und isoliert die Belichtungsverhältnisse bewerten und Scheibtische so umgestellt werden, dass die Arbeitsbedingungen, abgesehen von den Belichtungsverhältnissen, schlechter werden (z.B. weitere Wege, weil Teams nicht mehr zusammen sitzen), dann wird das einem Schutzgesetz nicht gerecht. Hier werden nur Buchstaben umgesetzt. Ich könnte (boshaftig) unterstellen, dass es nur darum geht die Mitarbeiter mit dem Angebot davon abzuhalten zum Augenarzt zu gehen (und zu fehlen). Oder in anderen Worten:

Zu den präventiven Maßnahmen im Gesundheitsschutz gehören auch die hier ausführlich geschilderten arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für „Bildschirmarbeit“, die Ihr Arbeitgeber für Sie alle als Option vorhält, als Sreening ein individueller Service für jeden Einzelnen von Ihnen darstellt, kostenlos für Sie als Mitarbeiter/Innen des Arbeitgebers XY ist, ohne „Praxisgebühr“ und ohne lange „Wartezimmer-Schlangen“ für Sie…..

Nehmt euch die Zeit zum Augenarzt zu gehen! Alles andere wiegt euch möglicherweise nur in einer trügerischen Sicherheit. Abgesehen davon, ist es eine Variante mal ein paar Überstunden abzubauen…

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Eine Antwort zu Trügerische Sicherheit – der Sehtest

  1. psiaet schreibt:

    PS: ich bin kein Arzt. Geht zum Arzt, wenn ihr zu einem Arzt müsst. Hier gilt: http://bit.ly/dAZ24G – Wikipedia:Hinweis Gesundheitsthemen

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