Hallo Münsterländer, willkommen in Ostdeutschland!

Die Region vergreist…

Der Altersdurchschnitt der Münsterländer steigt schneller als erwartet‚, heißt es heute auf der Titelseite der Westfälischen Nachrichten. Und weiter: ‚Die Lage ist dramatisch‚. Dazu folgende Gedanken…

Ja, dramatisch…

Die Lage ist vor allem für die Betroffenen dramatisch: Familien die wegziehen (wollen) müssen, weil auch der ‚Beste Arbeitgeber Deutschlands‘ nur ein Unternehmen ist, dessen Aufgabe es ist die Gewinne für die Share-Holder zu mehren. Ein modernes Management Werkzeug dafür: Konzentration der Angestellten in München oder Hamburg oder …

Nachwuchsmangel? Wenn Firmen im Viereck Münster/Dortmund/Paderborn/Bielefeld keine Fachkräfte rekrutieren können liegt es also an fehlendem Nachwuchs? Die vier Universitäten bilden wohl nicht oder zu wenig aus? Oder nicht für den richtigen Markt? Das scheint mir ein vorgeschobener Grund. Wahrscheinlicher scheint mir, dass die Entscheider München/Hamburg vorziehen, weil da mehr Entscheider vor Ort sind und man sich dann besser in der Oper treffen kann: um sein Netzwerk zu pflegen. So funktioniert nämlich Management. Auch das Ambiente an den Flughäfen Münster/Osnabrück und Paderborn ist wohl nicht soooo, dass man sich da ständig aufhalten will. Bei – als Zusammenschluss getarnten – Übernahmen also erstmal das Management vor Ort abziehen, dann die Fachkräfte nachholen. Größtes Vorbild hier: Die Vereinigung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur BRD. Ähm, zumindest der Grüne Pfeil an den Ampeln ist ja geblieben.

Unternehmen, erst recht Konzerne, können hier im rechtsfreien Raum frei operieren. Sie entscheiden, die Kosten trägt ein anderer, nämlich das Land, die Städte und Gemeinden und schließlich jeder Bürger. Ein Unternehmen muss nicht begründen, warum irgendwo ein Standort schließt. Der Hinweis auf den Kostendruck und das „Scheue Kapital“ reichen. Und weil alle Länder, Städte und Gemeinden und auch jeder Bürger untereinander konkurrieren müssen kommt es dann so wie es kommt:

Die Bayern meinen sie machen die tollste Wirtschaftspolitik von allen, weil der Erfolg gibt ihnen ja Recht? Nö! Das ist purer Zufall! Wo ist die wissenschaftliche Studie, die belegt, dass das Land Bayern irgendwas besser macht als andere Länder? PISA? Oberflächlich, wer das isoliert betrachtet. Das gleiche gilt für München: dort schafft man es eben nicht genügend auszubilden, denn sonst müsste man ja nicht aus dem gesamten Bundesgebiet die ‚Key Player‘ zusammen ziehen. Und schlimmer:  jeder der eine Erwerbsarbeit in München hat, ist besser als derjenige, der irgendwo anders keiner Erwerbsarbeit nachgehen darf: alles, bloß nicht arbeitslos oder gar Hartz4. Irgendwo ein Blick aufs Ganze? Keine Spur. Lieber den Zuzug ausländischer Fachkräfte angehen und vergessen, dass diese dann in Kürze auch da sind wo alle sind: Hamburg oder München? Egal, Hauptsache Italien!

Westfalen wird so der neue Osten! Es bleibt nur wer nicht mehr laufen kann. Oder, wie es woanders nicht besser auf den Punkt gebracht hätte werden können: „Das einzige was hier noch wächst ist der Friedhof.“. Die Unternehmen entscheiden, die Region zahlt die Zeche. So oder so. Und die Restrukturierungskosten schmälern den Gewinn und die Steuerlast. Ach wie herrlich!

Sagen wir mal, eine hochspezialisierte Fachkraft, ausgebildet in Nordrhein-Westfalen, incl. Studium, 41 Jahre, über 15 Jahre Berufserfahrung, verheiratet, zwei Kinder, steht nun allein vor der Wahl: a) auf eigene und Kosten der Region mit Sack und Pack umziehen, b) auf eigene und Kosten der Region (Arbeitslosigkeit, Hartz4) in der Region bleiben und sich, im Zweifel ehrenamtlich, engagieren so weit es geht – man will ja -,  oder c) auf eigene Kosten einen anders qualifizierten Job (… von Beruf spricht heute ja niemand mehr …) in der Region annehmen? Auf den Rat der Politiker und Wirtschaftsfachleute bin ich gespannt. Was empfiehlt in so einem Fall der Berater im Arbeitsamt? Was der Kämmerer der Stadt?

Westfalen bildet aus, Bayern erntet die Früchte. Wie wäre es, wenn Steuern da bezahlt würden, wo die Kosten für Erziehung und Ausbildung angefallen sind? Bestimmt nicht konsensfähig.

Wer glaubt, dass Kinder von Auswanderern jemals wieder in die Region zurückkommen, der träumt. Armes Münsterland, armes Westfalen, armes Nordrhein-Westfalen, armes Deutschland, armes Europa, arme Welt. Ergebt euch! Zieht alle in eine einzige große Stadt und lasst alles andere vergammeln! Und bitte: hört wenigstens auf zu jammern, denn das hört man in München nicht so gern! Zumindest, bis die Fachkräfte aus München anfangen in die Schweiz abzuwandern. Dann jammert man da auch!

Ich lese jetzt erstmal ‚Die Kunst, kein Egoist zu sein‘. Und entscheide dann für mich! Vielleicht ist da ja irgendwo die Weltformel drin versteckt….

Mit freundlichen Grüßen

Ich

Kindergarten: Münster, Schule: Ostbevern/Münster, Studium: Münster, Betriebliche Ausbildung: Münster/Düsseldorf/Verl – Steuern: demnächst irgendwo, aber nicht im Münsterland.

Update

Die WN hat Auszüge unter den Leserbriefen veröffentlicht. Unter der Überschrift Hamburg und München vorgezogen heißt es:

[…] Nachwuchsmangel? Wenn Firmen im Viereck Münster/Dortmund/Paderborn/Bielefeld keine Fachkräfte rekrutieren können liegt es also an fehlendem Nachwuchs? Die vier Universitäten bilden wohl nicht oder zu wenig aus? Oder nicht für den richtigen Markt? Das scheint mir ein vorgeschobener Grund. Wahrscheinlicher scheint mir, dass die Entscheider München/Hamburg vorziehen, weil da mehr Entscheider vor Ort sind und man sich dann besser in der Oper treffen kann: um sein Netzwerk zu pflegen. So funktioniert nämlich Management. Auch das Ambiente an den Flughäfen Münster/Osnabrück und Paderborn ist wohl nicht soooo, dass man sich da ständig aufhalten will. […] Westfalen bildet aus, Bayern erntet die Früchte. Wie wäre es, wenn Steuern da bezahlt würden, wo die Kosten für Erziehung und Ausbildung angefallen sind? Bestimmt nicht konsensfähig. […] Wer glaubt, dass Kinder von Auswanderern jemals wieder in die Region zurückkommen, der träumt. Armes Münsterland, armes Westfalen, armes Nordrhein-Westfalen, armes Deutschland, armes Europa, arme Welt. Ergebt euch! Zieht alle in eine einzige große Stadt und lasst alles andere vergammeln! Und bitte: hört wenigstens auf zu jammern, denn das hört man in München nicht so gern! Zumindest, bis die Fachkräfte aus München anfangen in die Schweiz abzuwandern. Dann jammert man da auch! […]

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